
Hitzestress: Auswirkungen der Hitzewelle auf Milchkühe
Die vergangene Hitzewelle hat bei unseren Milchkühen deutliche Spuren hinterlassen. Sowohl die Dauer der Hitze als auch Temperaturen von über 40 °C waren in diesem Ausmaß bislang einzigartig. Wissenschaftliche Prognosen gehen davon aus, dass solche Extremwetterereignisse künftig häufiger auftreten werden. Davon ist insbesondere die Milchviehhaltung stark betroffen.
Allerdings waren die Auswirkungen nicht auf allen Betrieben gleich. Vor allem die Intensität des Hitzestresses unterschied sich deutlich. Um Erkenntnisse für die Beratung zu gewinnen, haben wir die knapp zweiwöchige Hitzeperiode anhand von Leistungs- und Stalldaten aus unseren Beratungsbetrieben ausgewertet.
Deutliche Leistungseinbußen während der Hitzeperiode
Im Durchschnitt sank die Milchleistung in den untersuchten Betrieben um 4,0 kg Milch je Kuh und Tag. Gleichzeitig verringerte sich der Milcheiweißgehalt um 0,21 Prozentpunkte. Parallel dazu stieg der Milchharnstoff deutlich an – im Mittel um 70 mg/l, in einzelnen Betrieben sogar auf Werte von über 350 mg/l.
Dort, wo die Futteraufnahme erfasst wurde, ging sie durchschnittlich um rund 20 % zurück. Die Spannweite war jedoch groß: In Einzelfällen wurde ein Rückgang von nahezu 50 % beobachtet. Der starke Anstieg der Harnstoffgehalte war in früheren Hitzeperioden in diesem Ausmaß nicht zu beobachten. Ursache dafür ist vor allem die deutlich reduzierte Futteraufnahme und der daraus resultierende Energiemangel. Hinzu kommt, dass anhaltende Temperaturen um 40 °C die Pansenmikroben direkt beeinträchtigen, wodurch sich das Pansenmilieu nur langsam erholt.
Stalllüftung und Standort sind entscheidende Faktoren
Der Vergleich der Betriebsdaten zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Hitzestress, Stalllüftung und Standort. Je besser die Lüftung im Stall, desto geringer fielen die Auswirkungen der Hitze aus. Die größten Leistungseinbußen wurden in Ställen ohne Ventilation festgestellt. Dort waren Rückgänge der Milchleistung von bis zu 10 kg je Kuh und Tag keine Seltenheit.
Auch der Standort des Betriebes spielte eine wichtige Rolle. Windgeschützte Lagen, Senken oder innerörtliche Standorte erwiesen sich selbst bei guter Stalllüftung als nachteilig. Dagegen lagen die Leistungseinbußen an exponierten Standorten mit sehr guter Belüftung teilweise unter 2 kg Milch je Kuh und Tag. Dies verdeutlicht, wie entscheidend eine gute Luftführung im Stall für die Verringerung von Hitzestress ist.
Hitzestress auf einen Blick
- −4,0 kg Milch je Kuh und Tag
- −0,21 %-Punkte Milcheiweiß
- +70 mg/l Milchharnstoff (Spitzenwerte über 350 mg/l)
- −20 % Futteraufnahme im Durchschnitt (Einzelfälle bis −50 %)
- Bis zu −10 kg Milchleistung in Ställen ohne Ventilation




